Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 
Letztes Feedback
   19.06.16 23:06
    Diese komplizierte Ebene
   22.06.16 17:15
    Sich einzugestehen ist m

http://myblog.de/toolatetodieyoung

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Essen/essen

Heute war einer dieser klaren Tage. Ein Tag, an dem ich darüber schreiben kann. Morgen kann das schon wieder ganz anders aussehen. An einem anderen Tag, wo ich das Problem nicht so klar und deutlich sehe, hätte ich darüber mit Sicherheit nicht geschrieben.
Ich schreibe das hier nieder, um es irgendwie loszuwerden. Für einen Moment jedenfalls. Es aufzuschreiben ist leichter, als es auszusprechen oder besser gesagt darüber zu reden.

Essen/essen. Zwei Worte, die mir seit einiger Zeit großes Unbehagen bereiten. Essen zu sehen, daran zu denken oder darüber zu reden (wenn ich es soweit kommen lasse) löst ein beklemmendes Gefühl in mir aus.

Solange wie ich denken kann, konnte ich mich noch nie richtig leiden. Mit meinem Aussehen war ich schon immer, auch als Kind, unzufrieden. Als Mädchen vergleicht man sich schon sehr früh mit anderen Mädchen. 
Figurprobleme hatte ich nie. Ich war eigentlich sogar immer sehr schlank, aber nicht krankhaft schlank, nein. Ich habe sogar sehr gern und viel gegessen. Und trotzdem musste ich mir dumme Kommentare anhören. Aber wer kennt das nicht?!
Ich war nie der Typ Mädchen auf den Jungs standen. Das bin ich bis heute nicht. Und so etwas registriert man als Mädchen sehr genau. Vor allem, wenn du ein Mädchen mit geringem Selbstbewusstsein bist. 
Es gab aber auch eine Zeit, in der ich mich selbstbewusst gefühlt habe. Meine erste Beziehung hat mir damals sehr viel Kraft gegeben. Es gab tatsächlich Jemanden, der mich so liebte, begehrte und wollte, wie ich war. Ja, in dieser Zeit habe ich mich zum ersten Mal so richtig selbstbewusst gefühlt. Es war toll. Aber als die Beziehung vorüber war, war es, als hätte er mein gesamtes Selbstbewusstsein mit sich genommen. Nichts war mehr übrig.
Natürlich gelang es dem Einen oder Anderen im Laufe der Zeit wieder etwas Selbstbewusstsein in mir aufflackern zu lassen, doch mit jeder Enttäuschung sackte auch das wieder in sich zusammen. Man sucht ja Fehler. An sich. Man fragt sich, warum es nicht funktioniert hat. Warum man wieder nicht gut genug war.
Und wenn man so will, sind das vielleicht alles Gründe dafür, warum ich es soweit hab kommen lassen, dass ich mich auf mein Äußeres reduziere. In Zeiten von Instagram, wo nur Likes und Follower ausschlaggebend sind, zählen innere Werte nichts mehr. Es wird anhand von durchtrainierten Bodys, über schöne Brüste, dünne Beine, schöne lange Haare etc. entschieden, ob du ein schöner Mensch bist. So scheint es jedenfalls oft. Sehr oft sogar. Ich gebe zu, dass ich mich auch sehr oft dabei ertappe, wie mies ich mich wieder fühle, wenn ich ein wesentlich schöneres Mädchen sehe, als ich es bin. Ich vergleiche mich. Obwohl ich das nicht tun sollte. Zumal ich eben schon erwähnt habe, wie oberflächlich das ist...
All die Eigenschaften, die andere Menschen so an mir schätzen und ich auch selbst an mir geschätzt habe, sind für mich zu großen Schwächen geworden.
Aber was hat das jetzt noch mit dem Thema zu tun? Eine ganze Menge.
Schönheitsideale umgeben uns überall. Wir werden immer und zu jeder Zeit damit konfrontiert. Und man vergleicht sich. Unbewusst. Und im Laufe der Zeit verändert man sich natürlich auch.

Wie schon erwähnt hatte ich nie Figurprobleme. Ich war immer laut Anderer: Schlank. Ich hingegen empfand mich eher als: Normal, Durchschnittlich. Und ich fühlte mich nie so wirklich wohl in meiner Haut. Auch jetzt nicht.
Ich fühlte mich nicht wohl, so wie ich war. Instagramfotos und Werbung mit schlanken oder dünnen Frauen verschlimmerten dieses Gefühl zunehmend.
In mir tobte ein innerer Kampf zwischen gesundem Menschenverstand und Naivität (so würde ich das nennen). Die Naivität gewann.
Und zum ersten Mal kam es zu einem Machtkampf in mir, wo es darum ging meinem Hungergefühl nachzugeben oder zu ignorieren. Ziel war es natürlich die Kontrolle über mich selbst zu bekommen und nicht andersrum. Ich wollte nicht mehr von meinem Körper kontrolliert werden. Jetzt wollte ich die Kontrolle.
Diese Machtkämpfe wurden im Laufe der Zeit Routine. Jeden Tag dasselbe Spiel.
Ich begann mir genau zu überlegen WANN ich etwas esse, WIE OFT ich etwas esse, WAS ich esse, WIEVIEL ich esse etc.
Wenn ich doch mal etwas mehr, als mir lieb war, gegessen habe und mich das schlechte Gewissen plagte, "bestrafte" ich mich am nächsten Tag damit, weniger zu essen. Man sagte immer häufiger "Nein." zum Essen oder "Danke, ich hab keinen Hunger.".
Ich hatte die Kontrolle über mich. Voll und ganz
Mein Körpergefühl ist mir zum jetzigen Zeitpunkt völlig verloren gegangen. Essen hat keinen Reiz mehr. Genießen kann ich es schon lange nicht mehr.
Um den Schein zu wahren, isst man mit den Anderen mit, wenn es sein muss. Hinterher fühlt man sich einfach nur eklig. Nein, ich stecke mir keinen Finger in den Hals. Wäre aber manchmal die einfachere Möglichkeit, um das Gefühl, was ich nach dem Essen verspüre, zu beseitigen.
Essen ist zu einem sensiblen Thema geworden und wenn ich meine Gedanken, die ich hier gerade niedergeschrieben habe, noch einmal überlese, dann weiß ich auch wieso... 

An diesem Punkt, wo ich mir gerade versuche einzugestehen, dass da vielleicht irgendwas nicht in Ordnung ist, stehe ich erst seit kurzem. Momentan sind es vereinzelte Tage. Die Einsicht ist noch recht verschwommen. Nicht klar und deutlich und nicht beständig. Aber ich glaube, dass muss sie sein, wenn ich ernsthaft darüber nachdenke mir Hilfe zu suchen.

19.6.16 11:52
 
Letzte Einträge: Alte Muster


Werbung


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Princess / Website (22.6.16 17:15)
Sich einzugestehen ist meistens schon der größte und schwierigste Schritt. Jetzt darfst du nur nicht aufgeben!
Such dir Hilfe bei den jeweiligen Beratungsstellen (http://www.familie-siegen.de/cms/upload/pdf/beratungsstellen.essstoerungen.pdf vielleicht ist etwas dabei, was dir zusagt) und du wirst sehen, dass es dir bald besser geht

Du schaffst das!

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung