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Alte Muster

Das Schreiben ist für mich wie eine Art Ventil. Ich nutze es, wenn meine Gedanken und/oder meine Gefühle mich wieder einmal wortwörtlich zu erschlagen drohen. Oder aber, wenn ich mal wieder ein Tief habe. So wie gestern zum Beispiel. Nur habe ich gestern keinen Blog verfasst. Ich wollte und saß davor, aber ich habe nichts zu "Papier" bringen können.
Ich glaube heute weiß ich auch warum (ich kann dir, lieber Leser/liebe Leserin allerdings nicht versprechen, dass du die Antwort herausliest).

Ich kann kaum beschreiben, wie ich mich gefühlt habe. Es war so verschwommen. Ein absolutes Durcheinander. Chaos. In mir. Meine Gedanken und Gefühle. Es war erdrückend.
Tottraurig, enttäuscht, verletzt, unsicher, gleichgültig, verzweifelt, hilflos, einsam, hoffnungslos. Wellenförmig kam es über mich. Aber jedes einzelne Gefühl mit einer Wucht, die mir fast den Boden unter den Füßen wegzog. Das ging den ganzen Tag so.
Ich wusste selbst nicht was mit mir los war. Ich stellte alles in Frage. Entscheidungen. Mein Leben. Mich selbst.
Ich wusste weder ein noch aus, vor oder zurück.

Zum ersten Mal, seit 22 Monaten war da wieder dieser Drang, den ich glaubte, überwunden zu haben. Wie naiv von mir.
Zuerst war da nur der Gedanke, doch wenig später schon der Drang es wieder tun zu müssen. Die ganzen negativen Gefühle, die das ja nur verstärken waren ja schon da, fehlten nur noch die passenden Gedanken dazu. Und die kamen. Wie damals...
"Du hast es nicht besser verdient!" oder "Du bist nicht gut genug! Für Niemanden. Und wirst es niemals sein." oder oder oder...
Ja, diese Gedanken waren da. Gestern. Und in der Kombination mit meiner schlechten Verfassung, in der ich mich befand, perfekt um wieder in alte Muster zu verfallen.
Ich bin ehrlich, ich habe gestern wirklich wieder darüber nachgedacht. Der Leidensdruck war groß. Zu groß. Ich fühlte mich schwach und ich wollte mich meiner Schwäche hingeben. So ganz und gar.

Aber...
Ich hab es nicht. Ich bin stark geblieben. Obwohl die Versuchung so enorm war, mich dem Drang wieder hinzugeben, hatte ich auch eine scheiß Angst. Ich war wirklich hin und hergerissen.
Einerseits kannte ich noch ganz genau das Gefühl hinterher, diese Befriedigung. Erleichterung.
Andererseits wusste ich auch noch, wie viel Kraft es mich gekostet hat, davon wegzukommen.
Ich muss gestehen, ich glaubte wirklich daran, dass, wenn ich es geschafft habe, ich nie wieder an den Punkt kommen könnte, eventuell rückfällig zu werden. Oder ich habe es einfach nur erfolgreich verdrängt. Oder aber still und heimlich gehofft, dass ich niemals wieder an so einen Punkt gelange.

Ich dachte wirklich, ich bin damit durch. Fertig. Fertig mit kämpfen, fertig mit Stark sein/bleiben. Doch mir wird jetzt in diesem Moment gerade etwas bewusst. Etwas was mir so ganz und gar nicht gefällt. Nämlich, jetzt, wo meine Vergangenheit wieder so präsent ist, muss ich wieder anfangen zu kämpfen.
Wieso?
Die Gedanken daran schiebt man nicht einfach so beiseite. Ich war gestern stark genug, um zu widerstehen, aber wer sagt mir, dass ich es beim nächsten Mal auch wieder bin? Natürlich möchte ich nicht wieder in mein altes Muster verfallen. Aber die Gedanken sind momentan wieder da. Das Problem ist wieder präsent. Es beschäftigt mich.

So und wer sich jetzt immernoch fragt, von welchem Drang, Problem, altem Muster hier die Rede ist, hier eine kleine Aufklärung.
Seit 22 Monaten bin ich clean. Frei von der Selbstverletzung. Ich bin nicht stolz darauf, aber es ist Teil meiner Vergangenheit. Ein Teil von mir.


5.7.16 17:07
 


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